8 geniale Tricks, wie du zuhause selbst upcyclen kannst

Wir leben heute in einer Wegwerfgesellschaft, der Begriff ist in aller Munde und hätte in meinen Augen gute Chancen, es zum Unwort des Jahres zu schaffen: Bei unseren Gängen in Supermarkt, Elektromarkt, Baumarkt und co. Kaufen wir täglich zahllose Lebensmittel und Haushaltsgegenstände, bei denen erhebliche Mengen an Verpackungen anfallen. Diese werden zuhause oft unüberlegt weggeworfen, auch die Lebensdauer der darin verpackten Gegenstände ist oft nicht besonders hoch. Dies alles wäre deutlich weniger dramatisch, wenn in Deutschland effektiv recycelt werden würde: Leider wird viel zu wenig Verpackungsmaterial tatsächlich wiederverwertet, recycelte Rohstoffe sind als Verpackungsmaterial unwesentlich teurer als Primärrohstoffe, weshalb Konzerne bei Verpackungen um Recyceltes häufig einen Bogen machen. Wir als Verbraucher können uns diesem mangelhaften Recycling aber auch privat annehmen: Wir können Verpackungen wiederverwenden und sinnvoll erneut einsetzen, bevor sie bei uns im Mülleimer landen. Damit wird das achtlose Wegwerfen ein wenig eingedämmt.

Um dieser Wegwerfhaltung ein wenig entgegenzuwirken, möchte ich in diesem Artikel einmal ein paar clevere Tipps geben, wie vermeintlicher Abfall sinnvoll noch einmal eingesetzt, also recycelt werden kann. Dafür möchte ich zuerst einmal auf den Trendbegriff des Upcyclings eingehen und dann einige konkrete Beispiele nennen, inwiefern wir in unserem Haushalt dafür sorgen können, dass weniger Dinge direkt im Müll landen und wir gleichzeitig noch etwas von ihnen haben!

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1. Was ist Upcycling?

Upcycling kommt aus dem Englischen und kann lose übersetzt werden als Aufwärts-Wiederverwertung. Das Wort impliziert also, dass Produkte aufgewertet werden. Mit dem klassischen Recycling hingegen schwingt stets mit, dass ein einwandfreies Verpackungsmaterial noch einmal verwertet wird, wobei es einen Qualitätsverlust erfährt. Man spricht nicht umsonst von Primärrohstoffen bei erstmaligem Einsatz sowie Sekundärrohstoffen, wenn das Material recycelt wurde. Beim Recycling schwingt also eine Verschlechterung des Materials mit, man spricht gelegentlich auch von einem Downcycling

Der Begriff Upcyling distanziert sich von der minderwertigen Konnotation des Recyclings und spricht bewusst von einer Aufwertung! So wird Müll, der als unbrauchbar erachtet wird und in der Tonne landet, qualitativ aufgewertet und sinnvoll wiederverwendet. Den Einsatzmöglichkeiten und der Fantasie, wofür sich Verpackungen und verbrauchte Lebensmittel genutzt werden können, ist keine Grenze gesetzt! 

Upcycling ist besonders lobenswert, da unsere Rohstoffe begrenzt sind: Wenn du beispielsweise eine Vase aus Gläsern bastelst und stattdessen keine beim Einrichtungshaus deines Vertrauens kaufst, sorgst du dafür, dass das Glas für die Produktion einer Vase gespart wird!

2. Alle Upcycling-Ideen im Überblick

  • Gläser zur Aufbewahrung von Gewürzen nutzen
  • Eierkartons zum Keimen von Setzlingen einsetzen
  • Kaffeesatz als Dünger nutzen
  • Bananenschalen als Schuhputzmittel
  • Trinkgläser aus Glasflaschen basteln
  • Einkaufstüten als Müllbeutel einsetzen
  • Aus Paletten Möbel bauen
  • Plastikflaschen zur Pflanzenbewässerung nutzen

3. Gläser zur Aufbewahrung von Gewürzen wiederverwenden

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Der erste Tipp ist relativ simpel und einige von euch werden das bestimmt sowieso schon berücksichtigen: Ihr könnt Gläser, in denen ihr beispielsweise Marmelade, saure Gurken oder Kraut kauft, einfach ausspülen und nochmal verwenden. Indem ihr die Gläser nicht im Container entsorgt, bekommt ihr praktische Verpackungen für verschiedene Müslitoppings wie Leinsamen, Kakaonibs oder Rosinen. 

Auch Gewürze könnt ihr bequem in kleinere Gläser, beispielsweise von Pesto, packen. Wir haben beispielsweise unsere gängigsten Gewürze, sprich Salz, Curry und Paprika, in solche Gläser direkt neben den Herd gepackt, damit wir sie immer zur Hand haben. Ein weiterer Vorteil: Du kannst diese Gläser entweder direkt in einem Unverpacktladen wieder befüllen lassen, wobei gar kein zusätzlicher Müll entsteht, der Idealfall also. Wenn du aber im „normalen“ Supermarkt einkaufen gehst, kannst du beispielsweise Vorratspackungen Salz aus Pappe kaufen und deine Gläser zuhause jederzeit wieder befüllen, wenn das jeweilige Gewürz einmal zur Neige geht!

4. Eierkartons zum Neupflanzen verwenden

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Wenn du dich nicht vegan ernährst, greifst du im Supermarkt sicherlich oft nach Eierkartons. Besonders als aktiver Kraftsportler versteht es sich von selbst, regelmäßig Eier zu essen. Dabei fallen natürlich Eierkartons als Abfall an, die scheinbar komplett unbrauchbar sind und daher häufig nur weggeworfen werden. Wenn du allerdings einen Garten oder auch eine Stadtwohnung hast, auf deren Balkon du eigenes Gemüse anbaust, habe ich einen nützlichen Tipp für dich, wie du diese Eierkartons sinnvoll wiederverwenden kannst: Nutze sie zum Keimen von Setzlingen! Eierschalen bestehen für gewöhnlich aus Pappe oder aus Hartschaum. Da es sich bei den Eierschalen also um ein natürliches Material handelt, haben sie den Vorteil, dass du den Setzling, sobald er gekeimt hat, mitsamt der Eierschale umtopfen kannst.

Außerdem eignet sich die Form einer Eierschale natürlich perfekt für das Befüllen mit Erde und das Pflanzen eines Setzlings! Schneide dir also, je nachdem wieviele Setzlinge zu pflanzen möchtest, einfach ein Stück aus dem Eierkarton zum Wiederverwenden heraus.

5. Kaffeesatz zum Düngen nutzen

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Eine weitere Idee, die sich vor allem an Leser richtet, die zuhause einen Garten pflegen: Ihr könnt Kaffeesatz auch einfach zum Düngen nutzen. Gerade bei Personen, die früh aufstehen oder für einen fordernden Job topfit sein müssen, geht einer der ersten Griffe des Tages direkt zur Kaffeemaschine oder French Press. Bei mehreren Tassen sammeln sich damit über die Zeit teilweise große Mengen an Kaffeesatz an. Anstatt diesen einfach im Hausmüll zu entsorgen, kannst du ihn ein zweites Mal sinnvoll in deinem Garten einsetzen. Wichtig: Du musst dessen Kaffeesatz davor trocknen lassen! Wenn er feucht ist, schimmelt er nämlich leicht und deine Pflanzen können kaputtgehen. Kaffeesatz ist aufgrund seines pH-Werts so nährstoffreich für Pflanzen. Einige Gartengewächse bevorzugen nämlich ein saures Milieu, wobei der Kaffeesatz unterstützen kann: So hilft er beim Wachstum von Blumen aber auch selbst angebautem Obst und Gemüse.

Ein weiterer Tipp am Rande: Man sagt Kaffeesatz auch nach, dass er als natürlicher Rohrreiniger dienen soll. Dem ist allerdings nicht so. Man sollte es möglichst vermeiden, den Kaffeesatz direkt in der Spüle zu entsorgen, er verklumpt dort nämlich und sorgt für die genau gegenteilige Wirkung.

6. Bananenschalen zum Schuhputzen einsetzen

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Die Banane ist in Deutschland eine extrem beliebte Frucht: Zusammen mit dem Apfel erfreut sie sich der größten Beliebtheit im Obstregal hierzulande. Nach dem Verzehr entstehen deshalb große Mengen an Bananenschalen, die im Biomüll entsorgt werden. Natürlich ist das nicht so dramatisch wie Plastikmüll, die Bananenschalen zersetzen sich ja mit der Zeit. Als Naturmaterial sind sie kompostierbar bzw. biologisch abbaubar. Aber warum nicht auch daraus noch einen Sinn ziehen und sie wiederverwenden?

Wenn du dich, egal ob für Freizeit oder beruflich, oft in Schale wirfst, kannst du dir die Bananenschalen nämlich zunutze machen, und zwar als natürliches Schuhputzmittel. Die fettige Innenseite der Frucht reibst du dabei einfach an deinen Lederschuhen. Nach einem kurzen Einwirken solltest du das Ganze noch einmal mit einem Tuch abwischen und schon bist du fertig!

Wenn du also beruflich in der Mittagspause einmal eine Banane snackst, dann kannst du mit der Schale auch schnell über deine Anzugschuhe gehen. So sparst du dir mit der Zeit die eine oder andere Tube Schuhcreme.

7. Aus Glasflaschen Trinkgläser basteln

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Noch ein Upcycling-Trend, bei dem dein Altglas noch einmal nützliche Verwendung findet: Du kannst nämlich aus hübschen Flaschen Gläser selbst bauen! Dafür brauchst du noch zusätzlich noch Feuerzeugbenzin und einen handelsüblichen Faden. Letzteren wickelst du dann einfach um die Flasche deiner Wahl und verknotest ihn straff. Ziehe ihn dann wieder von der Flasche, sodass du eine Schlaufe in der Hand hast. Diese Schlaufe tunkst du dann in dein Benzin, stülpst sie wieder über die gewünschte Stelle der Flasche und zündest sie an. Wenn der Faden gleichmäßig abgebrannt ist, hältst du die Flasche unter kaltes Wasser: Durch den Temperaturunterschied bricht diese in aller Regel an der gewünschten Stelle und du kannst diese noch stumpf abschleifen, damit du gut aus dem Glas trinken kannst: Schon sind deine hübschen Gläser fertig!

Ich habe empfohlen, Spirituosen zu verwenden, da diese meistens die hübschesten Flaschen haben. Wenn du allerdings noch unter 18 bist, solltest du dich einfach ein bisschen umsehen: Es gibt genug andere hübsche Flaschen, aus denen sich schöne Gläser basteln lassen. Wenn du handwerklich begabt bist und eine schöne Flasche zur Hand hast, kannst du daraus auch eine eigene Stehlampe bauen: Deine Flasche dient dabei als Standfuß der Lampe. Wie dies im Detail funktioniert, solltest du aber im Internet recherchieren, ich habe damit selbst leider keine Erfahrung. 

8. Einkaufstüten als Müllbeutel wiederverwenden

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Dieser Tipp ist wieder etwas einfacher gestrickt und du benötigst keine handwerklichen Skills dafür. Er ist deswegen aber nicht weniger sinnvoll, vielleicht sogar wertvoller, da er fast jeden von uns betrifft und in Sekundenschnelle umgesetzt ist: Das Wiederverwenden von Plastikbeuteln aus dem Supermarkt in Form von Müllbeuteln!

Der Tipp ist simpel, aber genial: Bei vielen Menschen landet die Plastiktüte oder Papiertüte nach dem Einkaufen einfach im Müll. Sinnvoller wäre es natürlich, von vornherein einen Jutebeutel für den Einkauf mitzunehmen, das ist aber ein anderes Thema. Wenn du dich allerdings trotzdem für eine Tüte aus dem Supermarkt entschieden hast, dann nutze sie einfach als Müllbeutel.

Die Plastiktüte kannst du einfach über deinen Mülleimer stülpen und wie einen gewöhnlichen Müllbeutel befüllen. Sie landet letztendlich natürlich dennoch in der Tonne, wurde aber zumindest zweifach verwendet. Dasselbe gilt auch für deine Papiertüten: Auch hier kannst du Altpapier hineinstopfen und sorgst so dafür, dass sie zumindest für einen anderen Zweck wiederverwendet werden kann.

9. Möbel aus Paletten bauen

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Kommen wir nun wieder zu einem etwas kniffligeren und zeitaufwendigeren, aber sehr lohnenswerten Upcycling-Tipp: Stühle, Sessel und Sofas aus Paletten!

Ich habe zusammen mit einem Freund und WG-Mitbewohner selbst ein Palettensofa gebaut. Die Aufgabe war durchaus handwerklich fordernd, besonders weil Feingefühl nicht unbedingt zu meinen Stärken zählt. Ich war aber überrascht, wie gut das Endprodukt aussah! In unserem Fall musste das Sofa in eine Zimmerecke mit recht unkonventionellen Maßen: Der Vorteil daran, sich selbst ein Sofa zu bauen ist natürlich, dass du es nach eigenen Maßen anfertigen kannst! Häufig sieht man auch aus Paletten gebaute Gartenmöbel: Dabei ist allerdings wichtig, die Rohpaletten mit wasserfester Lasur einzustreichen! Sonst habt ihr im Garten oder auf dem Balkon nicht lange Spaß daran. 

Für unsere Couch haben wir die Paletten einfach nach unseren Maßen zu einer L-Form zugeschnitten. Als Liegefläche haben wir zwei übereinanderliegende Schichten Paletten genutzt. Die Rückenstütze bildet eine weitere Palette, die schräg in die Sitzfläche geklemmt ist. Praktischerweise kann man aufgrund der Beschaffenheit der Paletten auch unter der Sitzfläche noch Dinge verstauen oder eine Lichterkette als Beleuchtung anbringen. Natürlich sind wir keine Profihandwerker und haben kein Meisterwerk abgeliefert: Man kann aber schon mit überschaubarem Können und Einsatz ein durchaus respektables Ergebnis erzielen!

10. Plastikflasche zur Pflanzenbewässerung

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Für einen weiteren, einfach umsetzbaren Recyclingtrick kannst du jede gewöhnliche Einweg-Plastikflasche benutzen: Du kannst aus ihr nämlich ein einfaches Bewässerungssystem für deine Zimmerpflanzen bauen!

Wir alle kennen es: Man ist in der Stadt unterwegs und hat spontan Durst. Oder man nimmt sich im Supermarkt ein paar Flaschen seines Lieblingsgetränks mit. Die Flaschen, zu denen wir in diesen Fällen greifen, sind meist leider nicht aus Glas, sondern aus Plastik gefertigt. Mehrweg-Flaschen werden dem Pfandsystem zugeführt und können problemlos wiederverwendet werden. Die Einwegflaschen hingegen landen direkt im Müll: Sie könnten problemlos zerkleinert und recycelt werden, allerdings vermeiden Firmen dies aus Kostengründen und greifen auf billigeres, neu hergestelltes Plastik als Primärrohstoff zurück. Damit die eine oder andere Einweg-Plastikflasche im Haushalt also noch einen Nutzen hat, kannst du sie als Wasserdepot für deine Pflanzen nutzen: Dafür musst du lediglich den Boden deiner Flasche abtrennen, den Deckel kannst du wegwerfen. Das wars schon: Die Plastikflasche kannst du nun fest in die Topferde deiner Pflanze stecken und sie noch mit Wasser befüllen. Damit wird nur soviel Wasser aus der Flasche gezogen, wie die Pflanze benötigt und du musst einerseits nicht dauernd gießen und kannst andererseits sicher sein, dass deine Pflanze genau die richtige Menge an Wasser erhält!

11. Abschließendes zum Upcycling

Upcycling ist ein sehr spannendes Thema: Mir ist durchaus bewusst, dass nicht alle hier vorgestellten Ideen enorm innovativ und originell sind. Upcycling bezieht sich ja oft darauf, wirklich hochwertige, handwerklich aufwendige Dinge wie das angesprochene Palettensofa zu schaffen. Ich bin der Meinung, dass viele unserer Alltagsgegenstände sehr sinnvoll auch über ihr eigentliches Einsatzgebiet hinaus noch einmal verwendet werden können. Das tolle am Upcycling und dem Do-It-Yourself-Trend ist, dass du selbst kreativ werden kannst: Es gibt zahlreiche Ideen, wie du Gegenstände sinnvoll wiederverwertet werden können. Wenn du kreativ bist, entdeckst du viele neue Wege um Dingen einen neuen Sinn zu verleihen!