Achtsam Leben: Einführung in die Thematik und 5 Tipps für den Alltag

Achtsamkeit erlebt aktuell einen regelrechten Boom in der westlichen Welt: Das Internet ist voll von Tipps, die dabei helfen sollen, den Alltag bewusst zu gestalten und sich von Stress leichter zu lösen. Achtsamkeit ist dabei kein Mittel zum Zweck, es soll nicht nur zum Stressmanagement gebraucht werden. In diesem Artikel möchte ich deshalb eine kleine Einführung in die Thematik bieten: Zuerst möchte ich den Begriff Achtsamkeit einmal für dich definieren und erklären. Du wirst lernen, welche verschiedenen Facetten Achtsamkeit tatsächlich hat und auf welche Lebensbereiche sie sich auswirkt. Außerdem will ich dir 5 konkrete Tipps nahebringen, die dir dabei helfen können, im Alltag wirklich achtsamer und bewusster zu leben. Viel Spaß beim Lesen!

Achtsamkeit: Was ist das überhaupt?

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Achtsamkeit hat ihre Wurzeln im indischen Raum. Ein achtsamer Lebensstil ist also nicht das Produkt moderner westlicher Gesellschaften sondern blickt, ähnlich wie das Detoxing, auf eine lange Geschichte zurück. Durch Achtsamkeitsexperten wie Jon Kabat-Zinn fand die Thematik seit dem späten 20. Jahrhundert zunehmend auch im Westen Anklang und erlebt aktuell einen regelrechten Boom. Knapp zusammenfassen lässt sich Achtsamkeit als ein bewusstes und vollständiges Leben im Moment. Wenn man achtsam lebt, blendet man also gewisse Störungen aus und konzentriert sich beispielsweise bewusst auf ein bestimmtes Geräusch oder Gefühl. Gängige Achtsamkeitsübungen sind beispielsweise das Konzentrieren auf den eigenen Atem, das Spüren wie die Füße beim Laufen den Boden berühren, wenn du keine Schuhe trägst oder die Konzentration auf deinen Herzschlag. Eine bewusste Fokussierung auf lediglich einen Vorgang kann sehr anstregend und fordernd sein: Zu leicht gleiten unsere Gedanken wieder ab und wir verfallen ins Tagträumen oder denken an Dinge, die wir noch erledigen müssen. Eine achtsame Grundhaltung will daher mühsam erlernt und eingeübt werden. Wenn du diesen Weg erfolgreich gehst, wirst du letztlich aber sehr profitieren: Du wirst beispielsweise lernen, dich besser von Schmerz oder Stress zu distanzieren oder genussvolle Momente besser auszuschöpfen und zu nutzen!

Was verbindet Achtsamkeit mit Nachhaltigkeit?

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Bei der ersten Betrachtung lässt sich für die ein oder andere Person möglicherweise gar kein Zusammenhang finden. Befasst man sich mit beiden Themen etwas genauer, so lässt sich allerdings eine enge Verbindung feststellen! Die englische Bezeichnung für Achtsamkeit lautet „Mindfulness“. Das Verb „being mindful“ kann man ins Deutsche übersetzen als „aufmerksam und achtsam sein“. Aufmerksamkeit ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit: Wenn wir uns nachhaltig verhalten, entwickeln wir eine erhöhte Aufmerksamkeit für unser soziales Umfeld und die Natur, genau so wie auch beim Einüben eines achtsamen Verhaltens.

Die Resultate nachhaltigen und achtsamen Lebens ähneln sich also stark. Dies lässt sich beispielsweise an der achtsamen Verhaltensweise festmachen, Orte so zu verlassen, wie man sie vorfindet, also beispielsweise keinen Müll in der Natur zurückzulassen oder Gegenstände zu Hause direkt wieder aufzuräumen, die man eben aus dem Schrank gekramt hat. Aus der Sicht der Achtsamkeit stellen wir so eine engere Bindung zu unserem Umfeld her und es fällt uns dadurch leichter, ein konkretes Bewusstsein für die Umwelt zu entwickeln. Auch ein nachhaltiger Lifestyle erfordert von uns, sorgsam mit Ressourcen und Umwelt umzugehen: Hier steht also ebenfalls überlegter Konsum und bedachter Umgang mit Ressourcen und Abfall im Vordergrund.

Achtsames und nachhaltiges Verhalten führt also oftmals zu ähnlichen Resultaten. Der Unterschied zwischen den beiden Bereichen besteht nun in unserer jeweiligen Motivation: Bei achtsamem Leben liegt der Fokus auf uns selbst, bei nachhaltigem Leben auf unserer Umwelt.

Wir leben achtsam, um uns selbst besser von Schmerzen oder Stress distanzieren oder um das eigene Bewusstsein und Aufmerksamkeit gezielter steuern zu können. Wir leben hingegen nachhaltig, um unserer Umwelt etwas Gutes zu tun und Ressourcen zu schonen, um Flora und Fauna nicht durch erhöhten Rohstoffverbrauch und CO²-Ausstoß zu belasten.

Welche Bereiche deckt achtsames Leben ab?

Ein achtsamer Lebensstil lässt sich nicht auf unsere Arbeit oder bestimmte Lebensbereiche beschränken: Wir sollten ihn stattdessen ganzheitlich und allumfassend verstehen! In diesem Abschnitt will ich daher einmal auf einige Lebensbereiche eingehen, auf die eine achtsame Grundhaltung Einfluss hat.

Die Arbeit

Besonders im stressigen Alltag in Arbeit, Ausbildung, Schule oder Studium kann man sich eine achtsame Einstellung zunutze machen. Wir sind oft großem Stress ausgesetzt und müssen uns über lange Zeit stark konzentrieren sowie vieles im Kopf behalten. Durch Achtsamkeit können wir uns ein wenig mentale Entlastung verschaffen: Eine Meditation in der Mittagspause oder schon ein kurzes Innehalten und Fokussieren während der Arbeit kann uns dabei helfen, mental besser mit dem Arbeitspensum umzugehen. Dabei geht es nicht darum, die Produktivität zu steigern: Es zielt viel mehr auf das persönliche Wohlbefinden ab.

Die Beziehung

Ein achtsames Leben beeinflusst auch die Lebenspartnerschaft: Einander achtsam wahrzunehmen kann dabei helfen, sich besser in sein Gegenüber einzufühlen. Damit wird Streitpotential vermindert und gegenseitiges Verständnis gestärkt: Man hört dem Partner nämlich bewusster zu, blendet Störfaktoren aus und konzentriert sich nur aufeinander und den Moment.

Essen und Trinken

Ernährung ist für die meisten von uns ein großer Genuss: Wir belohnen uns mit unserem Lieblings-Softdrink nach einem anstrengenden Tag oder kommen an Feiertagen zusammen, um zusammen zu essen. Diese Genussmomente lassen sich durch einen achtsamen Lebensstil besser ausschöpfen: Wir lernen, uns auf den Genuss zu konzentrieren und ihn voll auszukosten!

Der Schlaf

Einschlafen und Aufwachen bilden den Rahmen unseres Tages: Zuerst stehen wir morgens auf und am Ende des Tages schlafen wir wieder ein. Achtsamkeit kann uns in beiden Bereichen unterstützen: Einerseits kann sie Menschen mit Einschlafproblemen dabei helfen, besser zur Ruhe zu kommen, indem man sich beispielsweise auf den Atem konzentriert und spürt, wie der Körper das Bett berührt. Bei Interesse solltest du dich näher mit dem Thema Meditation zum Einschlafen beschäftigen: In diesem Bereich gibt es zahlreiche Einsteigerkurse, Tipps und Apps! Aber auch bei einem bewussten Start in den Tag kann dir Achtsamkeit helfen: Wache auf, spüre deinen Körper, nehme das Sonnenlicht wahr und lass dein Handy erstmal beiseite liegen: So beginnst du deinen Morgen ausgeruht!

Auf einen Blick: Wo sich eine achtsame Grundhaltung positiv auswirken kann

  • Arbeitsleben
  • Beziehung
  • Ernährung
  • Schlaf
  • Sport
  • Familienleben

5 Tipps für einen achtsameren Lebensstil

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Tipp 1: Bewusster und maßvoller Güterkonsum

Zuerst sei gesagt, dass du bewusst und in geringen Maßen konsumieren solltest. Es ist quasi eine Volkskrankheit unserer heutigen Zeit geworden, sich über seine Besitztümer zu definieren und zu profilieren. Man versucht, immer mehr zu kaufen, nicht zuletzt auch, um damit den eigenen sozialen Status zu verbessern, quasi Ansehen zu „erkaufen“. Genau an diesem Punkt könnte man mit dem Mindset der Mindfulness ansetzen! Du kannst schon einmal einen großen Schritt in die richtige Richtung machen, indem du hinterfragst ob du deine konsumierten Güter überhaupt benötigst. Nach und nach wirst du sicher feststellen, dass du Vieles eigentlich gar nicht unbedingt brauchst! Wir alle kennen sie, du sicher auch: Die berüchtigten Impulskäufe. Genau diese sind es, von denen wir weg möchten. Indem du deinen Konsum einschränkst, schaffst du dir eine Win-Win-Situation: Einerseits führst du damit einen wesentlich umweltfreundlicheren Lebensstil und trägst dazu bei, dass im Sinne der Nachhaltigkeit weniger Ressourcen für die Herstellung von Gütern aufgewendet werden müssen. Andererseits wirst du merken, dass du nach und nach eine deutlich engere Beziehung zu deinen Besitztümern herstellen wirst. Konsumiert wird nicht mehr um dem Konsum willen, sondern du wirst dich mit deinen Besitztümern besser identifizieren können, was dem Identitätsverlust unserer zunehmend anonymisierten Gesellschaft entgegenwirkt!

Tipp 2: Bedachte Ernährung

Auch eine Umstellung deiner Ernährung sorgt für einen achtsameren Lebensstil und hilft dir auf dem Weg zu mehr Bewusstheit in deinem Leben. Damit meine ich nicht zwangsläufig die Abkehr von Fleisch und rein pflanzliche Ernährung, auch wenn dies natürlich stark zu begrüßen wäre. Hier geht es in erster Linie darum, wie schon zuvor angesprochen, eine engere Bindung zu deinen Lebensmitteln herzustellen. Dies kannst du erreichen, indem du beispielsweise lokal Lebensmittel einkaufst, beispielsweise auf Wochenmärkten. Außerdem kannst du verstärkt Produkte kaufen, die gerade saisonal verfügbar sind. Damit wirkst du ebenfalls einer Entfremdung von Lebensmitteln entgegen. Dieser Trend wird vor allem von Discountern aber auch Supermärkten vorangetrieben: Immer mehr Lebensmittel zu immer günstigeren Preisen, da scheint es auch egal, wenn mal ein Steak im Müll landet. Wenn man seine Ernährung aber bewusst gestaltet, weiß man im Idealfall genau, von welchem Hof das Frühstücksei kommt, welcher Bauer den Salat für das Mittagessen anbaut oder dass der Bäcker, bei dem ich das Brot beziehe, fair bezahlt wird. So kann eine wesentlich engere emotionale Bindung zu Lebensmitteln und damit auch zum Körper hergestellt werden. Gesunde Ernährung sorgt schließlich für einen gesunden Körper! Und Gesundheit sollte ja auch ein wesentliches Ziel deines Strebens nach Achtsamkeit darstellen.

Tipp 3: Regelmäßige Auszeiten nehmen

Dies ist wahrscheinlich leichter gesagt als getan. Nichtsdestotrotz ist es besonders in unserer heutigen Leistungsgesellschaft elementar wichtig, dass du dir regelmäßig Zeit für dich und dein Wohlbefinden nimmst! Mir hilft es, dafür feste Termine einzuplanen, auch wenn es sich dabei nur um 10-15 Minuten pro Tag handeln kann. Manche Menschen brauchen einfach ihren Rhythmus. Wenn du weniger Planungssicherheit hast, kannst du dir einfach dann Zeit nehmen, wenn es dir gerade passt. Es ist dann wichtig, dass du dich bewusst auf dich konzentrierst und Stress sowie Verpflichtungen mental bewusst für eine Weile beseite schiebst. Mach dir bewusst, dass es sich dabei nicht um Faulheit oder Fliehen vor Verpflichtungen handelt! Vielmehr gehören bewusste Pausen ebenso zu einer guten Arbeitsmoral, da du danach umso produktivere Leistungen erbringen wirst. Während dieser Auszeiten solltest du dich auf dich, deine Atmung, deinen Herzschlag und bewusst auf den Moment, in dem du dich gerade befindest, konzentrieren. Interagiere am Besten nicht bewusst und aktiv mit deiner Umwelt sondern nehme einfach bewusst wahr, was um dich herum passiert. Lasse deinen Gedanken in diesem Moment freien Lauf!

Tipp 4: Die passende Inneneinrichtung

Es klingt vielleicht banal, aber besonders in deinen eigenen vier Wänden musst du dich wohlfühlen, um einen achtsameren Lebensstil führen zu können. Damit meine ich natürlich nicht unbedingt, dass du überall Räucherstäbchen und Buddha-Figuren aufstellen musst. Vielmehr geht es darum, dass du dich in deinem Zuhause wohl und geborgen fühlst. Es muss ein Rückzugsort für dich sein, in dem du dich gerne aufhältst und wo du bewusst so sein kannst, wie du es möchtest. Das kann für jede Person in der Praxis eine verschiedene Inneneinrichtung bewirken. Ich persönlich bevorzuge eher gedämpfte Farben und eine sparsame Inneneinrichtung. Damit habe ich das Gefühl, ich kann mich gut entfalten, es herrscht keine Unordnung und es gibt keine Gegenstände, die mich stören. Wie gesagt, kann sich das Empfinden der ideal passenden Inneneinrichtung natürlich von Person zu Person unterscheiden. Für Keinen empfehlen würde ich allerdings zu viel Chaos!

Tipp 5: Regelmäßiger Sport für vitalen Geist & Körper

Damit meine ich natürlich nicht, dass du dich täglich vollkommen verausgaben musst. Hier geht es darum, in dem Maße Sport zu betreiben, in dem du dich wohlfühlen kannst. Sport trägt bei vielen Personen zu einem besseren psychischen Wohlbefinden bei, vielleicht ja auch bei dir! Hier gibt es keine Standards, die du zu erfüllen hast. Es kann schon reichen, regelmäßig spazieren zu gehen oder hin und wieder mit dem Fahrrad durch den Park zu fahren. Die Natur wirkt auf uns Menschen sehr beruhigend und gesundheitsfördernd, diesen Effekt kannst auch du dir zunutze machen. Nach einem stressigen Tag im Büro oder wenn du einmal wieder das Gefühl hast, alles wächst dir über den Kopf, solltest du dir also gelegentlich einmal die Zeit geben, dich ein bisschen körperlich zu betätigen und die frische Luft bewusst einzuatmen. Ich nehme diesen Effekt regelmäßig selbst wahr: Nach mehrstündigem Lernen und (nicht selten) einem Gefühl der Verzweiflung bewirkt es bei mir wirklich Wunder, wenn ich zwischendurch einmal eine kleine Runde joggen gehe. Da muss es nicht immer eine riesige Runde sein, es geht nicht darum, seine eigenen Rekorde zu brechen. Es ist viel wichtiger, den Körper anzuregen. Wie an so vielen Sprichwörtern steckt schließlich auch in diesem ein wahrer Kern: „Mens sana in corpore sano“ (Ein gesunder Geist steckt in einem gesunden Körper)

5. Wo kann ich mich näher über das Thema informieren?

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